Gedanken zum drittletzten Sonntag im Kirchenjahr

8. November 2020

 „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“  Matthäusevangelium 5,9

Mit diesem Sonntag richten wir unseren Blick auf das Ende des Kirchenjahres. Unsere Sehnsucht nach Erneuerung prägt diese Zeit und unsere Hoffnung auf ein Leben in Gottes Welt. Mit diesem Sonntag beginnen auch die 10 Tage für den Frieden

(bis Buß- und Bettag). Frieden: Sehnsucht und Herausforderung.

Friede sei mit euch von Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen

Wir beten mit Worten aus Psalm 85:

Könnte ich doch hören, was Gott redet,

dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen,

damit sie nicht in Torheit geraten.

Seine Hilfe ist ja nahe denen, die ihn fürchten,

dass in unserm Lande Ehre wohne;

dass Güte und Treue einander begegnen,

Gerechtigkeit und Friede sich küssen;

dass Treue auf der Erde wachse

und Gerechtigkeit vom Himmel schaue;

dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.

Amen

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn Gott hat es gesagt.“

Mit diesen Worten beschreibt der Prophet Micha (Kap. 4) seine Sehnsucht nach einem Leben in Frieden. Diese Worte sind das Leitmotiv der ökumenischen Friedensdekade seit ihrem Bestehen.

Frieden – so stellen wir uns das Reich Gottes vor, Frieden, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit…

Aber wann ist es denn nun endlich soweit?

Wann können wir endlich aufhören nur zu hoffen, uns zu sehnen nach Gottes Welt?

Wann breitet sie sich denn nun endlich aus unter uns, die Welt Gottes? Wann wird es denn endlich mal besser?

Schon die Menschen zur Zeit Jesu warteten darauf, dass sich etwas grundlegend verändern würde, dass Schluss sein würde mit Krieg und Not, mit Unterdrückung und Leid, mit Krankheit und Tod.

Alles leere Versprechungen?

Der Evangelist Lukas sagt es so: „Das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen. Man wird euch nicht sagen: Siehe hier oder da! Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Lukasevangelium 17,20/21

 

Also gar nicht so spektakulär, kein großer Auftritt, nichts mit Blitz und Donner, sondern eher leise, unscheinbar, unaufdringlich?

Das Reich Gottes ist mitten unter euch. Martin Luther hat übersetzt: „es ist inwendig in euch.“

Da können wir ja lange warten. Was können wir denn dazu beitragen, zum Ende der Kriege, zu mehr Gerechtigkeit, gegen Krankheit und Leid?

Jesus sagt: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.

Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht. Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!“ Lukas-Evangelium 6, 27-31“

 

In Gottes Welt gehen Menschen auf eine besondere Art und Weise miteinander um: Menschen springen über ihren eigenen Schatten und ermöglichen dadurch, dass Verhärtungen aufweichen und Menschen wieder aufeinander zugehen. In Gottes Welt trage ich nicht nach und nehme nicht übel. Seine Welt ist überwältigend großzügig.

Wenn ich die Rede von Gottes Reich ernst nehme, dann habe ich eine besondere Haltung zum Leben und zu den Menschen.

Das Reich Gottes ist schon mitten unter uns.

Manchmal können wir es ahnen oder spüren. Es ist nicht flächendeckend, kein Spektakel, es ist da, immer mal wieder da, fein und klein, wo Menschen im Geist Gottes Leben und agieren. Auch wir sind mit unseren Möglichkeiten dabei, der Welt Gottes immer mehr Raum zu schaffen.

Gottes Welt – das ist für uns eine Herausforderung und Aufgabe und das ist ein Geschenk, auf das wir uns freuen können, auf das wir hoffen und nach dem wir uns sehnen.

In dieser Hoffnung auf Veränderung sagen wir mit einem alten christlichen Gruß:

„Maranata“- Unser Herr kommt. Amen

 

Beten wir

Wir beten für Menschen, die die Hoffnung verloren haben, dass sich diese Welt zum Guten verändern kann.

Wir beten für Menschen, die Gott keine Chance mehr geben und ihm nichts zutrauen.

Wir beten für Menschen, die versuchen im Sinne Jesu ihr Leben zu gestalten und dabei immer wieder an ihre Grenzen geraten.

Wir beten für uns, dass wir unsere Hoffnung nicht aufgeben und uns unsere Sehnsucht nicht verbieten nach einem Leben in Frieden und Gerechtigkeit. Amen

Und nun segne euch Gott

 

Möge der Engel, der die Botschaft vom Frieden in die Welt brachte, an deinem Haus nicht vorübergehen.

Möge das Kind, das seine Göttlichkeit hinter der
Armut verbarg, in deinem Herzen eine Wohnung finden. Amen
(Irischer Segenswunsch)