Gedanken zum 20. Sonntag nach Trinitatis

25.Oktober 2020

 „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott

von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ Prophet Micha 6,8

Wie verhalten sich menschliche Freiheit und Gottes Gebote zueinander?

Welchen Sinn machen Ordnungen/Regeln in unserem Leben?

Mit welcher Haltung stehen wir dem Leben gegenüber?

 

Friede sei mit euch von Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen

Wir beten mit Worten aus Psalm 119:

Geborgen lebt der Mensch, der in seiner Haltung keine Risse hat. Geborgen lebt der Mensch, der nach Gottes Willen fragt.

Geborgen lebt der Mensch, der sich an Gottes Gebote hält. Geborgen lebt der Mensch, der sich nach Gott richtet,

seinen Weg mitgeht und sich nicht am Leben vergreift. Das wünsche ich mir für mein Leben auch, Gott.

Wie kann man von jung auf sein Leben ohne Risse führen? Doch nur, wenn man sich an das hält, was du sagst.

Deshalb halte ich deine Worte in meinem Innern und freue mich über das Ziel, das du mir zeigst, wie über einen Schatz.

Öffne mir den Blick und gib mir Einsicht in deine Wunder. Ich bin ein Gast in deiner Welt und brauche deine Hilfe.

Ich möchte gern den tiefen Sinn in deinen Geboten erkennen und Anderen von deinen Wundern erzählen, die ich entdecke. Amen

Manchmal gehen uns Regeln und Verordnungen gehörig gegen den Strich. Besonders dann, wenn wir den Eindruck haben, dass sie nicht nachvollziehbar sind oder dass sie Menschen benachteiligen oder wenn wir uns zu Unrecht eingeengt fühlen, berufen wir uns auf unsere menschliche Freiheit und versuchen Dinge auf unsere Art zu regeln.

Manchmal stehen wir aber auch da und wissen nicht woran wir uns halten sollen, wie wir Entscheidungen treffen können und wären froh, wenn uns jemand sagen könnte, was richtig oder falsch ist.

War es „früher“ einfacher, als die Regeln klarer und verbindlicher waren und nicht in Frage gestellt wurden, als richtig und falsch noch klar zu beschreiben war?

In unserer jüdisch-christlichen Tradition spielen Regeln eine wichtige Rolle. Ich meine nicht die Verhaltensregeln, die vor allem die Kirche in den unterschiedlichen Zeiten aufgestellt hat um zu sagen, was anständig ist und was sich gehört. Ich meine die Regeln, die Gott uns mitgegeben hat, damit wir uns daran entlang hangeln können. „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist…“ Wir können es also wissen, was uns guttut, was richtig ist und was falsch?

In dem Evangelium für diesen Sonntag (Markus 2,23-18) streiten sich die Jünger Jesu mit den Pharisäern. Die Jünger Jesu hatten bei ihrem Gang durch ein Kornfeld am Sabbat Ähren ausgerauft. Sie hatten Hunger und wollten sich etwas zu Essen zubereiten. Nach Meinung der Pharisäer war das an einem Sabbat verboten. Jegliche Art von Arbeit war am Sabbat verboten. Mit diesem Vorwurf der Gebotsübertretung wird Jesus konfrontiert und für seine Jünger zur Rechenschaft gezogen.

Jesus kannte die Gebote Gottes sehr genau. Er lebte danach. Er wusste aber auch, dass Gottes Gebote den Menschen nicht einengen, sondern ihm zum Leben helfen sollte, dass sie Orientierung geben sollten ohne das Leben zu erdrücken.

Jesu Schlussfolgerung zu diesem Streit war: „Der Sabbat ist um des Menschen Willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“

Man könnte auch sagen: Die Regeln und Gebote Gottes sind nicht dazu da sie blind zu befolgen, sondern um den Menschen im Leben zu helfen.

Und wenn es darum geht Hunger zu besiegen, dann ist es auch erlaubt ein Gebot zu übertreten, solange dadurch niemand geschädigt wird.

Regeln und Gebote können Menschen einengen, wenn sie stur befolgt werden ohne zu berücksichtigen, worum es eigentlich geht. Das ist nicht Gottes Interesse, sagt Jesus. Es gibt also Ausnahmen von Regeln, wenn es Menschen hilft.

Dass die Sache dadurch nicht unbedingt leichter wird, erfahren wir in Situationen, in denen die Dinge nicht so deutlich sind, in denen es mehrere Interpretationsmöglichkeiten gibt.

Muss ich an meiner Ehe festhalten, wenn ich dabei unglücklich werde?

Kann ich über das Ende meines Lebens selbst entscheiden?

Darf ich mit menschlichem Genmaterial forschen?

Darf ich als Soldat töten…

Der Vers aus dem Buch des Propheten Micha zeigt uns eine Spur:

„ … Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Wenn ich Gottes Wort mit Augen der Liebe lese, kann ich es dem Menschen entsprechen lassen, ohne dass es beliebig wird; und wenn ich das mit demütiger Haltung tue, wissend, wie sehr ich selbst auf Gottes Wohlwollen angewiesen bin, dann können Regeln und Gebote zum Leben helfen, ohne es zu verstellen. Amen

 

Beten wir

Wir beten für Menschen, die mit starrer Regelbefolgung vergessen zu leben.

Wir beten für Menschen, die in ihrem Leben keine Regeln akzeptieren wollen und darum immer anecken.

Wir beten für uns, dass uns Gottes Wort dazu anleitet

in schwierigen Situationen gute Entscheidungen treffen…

Und nun segne euch Gott

Gott segne euch mit einem offenen Geist für diese Welt,

er segne euch mit einer großen Hoffnung,

er segne euch mit einem liebenden Herzen für die Menschen, die euch begegnen.

Amen