Gedanken zum 19. Sonntag nach Trinitatis

18. Oktober 2020

 „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; Hilf du mir, so ist mir geholfen.“ Jer. 17,14

 Heute geht es um den Zusammenhang von Heilung an Leib und Seele, um die Verbindung zwischen körperlichem Leid und den Verletzungen der Seele.

Wir ahnen, dass es einen Zusammenhang gibt, aber wir scheuen uns ihn genau zu betrachten.

 Friede sei mit euch von Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen

Wir beten mit Worten aus Psalm 32:

Glücklich ist derjenige, der bei Gott alle seine Fehler bekennen kann.

Und dann merkt er: ich kann wieder neu anfangen. Es tut gut, dass Gott uns unser Versagen nicht vorhält

oder aufrechnet, wie es Menschen tun würden.

Immer wenn ich meine Schuld verschwieg, begannen meine Glieder zu Schmerzen und ich stöhnte den ganzen Tag.

Und dann konnte ich mit dir reden, Gott, und alles sprudelte aus mir heraus, so wie es war.

Das Gefühl der Erlösung war überwältigend, jetzt weiß ich, dass ich mit dir, Gott, über alles reden kann.

Dann war es, als hättest du mir leise gesagt: ich will dir helfen,

ich zeige dir den Weg, den du gehen kannst. Sei kein störrischer Esel.

Benimm dich wie ein Mensch, der sein Leben liebt. Wer sich gegen Gott auflehnt, wird viele Schmerzen erleiden.

Wer sich aber auf Gott verlässt, den umgibt seine Güte von allen Seiten. Amen

 

Manchmal lastet etwas auf unserer Seele wie ein schwerer Stein.

Dann fühlen wir uns schlecht, sogar unser Körper reagiert darauf.

Das alles wollen wir nun bedenken, jede für sich. Als ein Zeichen dafür kann jede ihren Stein hier auf dem Altar ablegen.

Wir bitten Gott um seine Barmherzigkeit …

Kyrieeleison

 

Du kannst uns heil machen, Gott,

an Leib und Seele. Amen

 

 In dem Evangelium für diesen Sonntag erzählt uns der Evangelist Markus,

dass 4 Männer ihren gelähmten Freund zu Jesus bringen wollten.

Da es sehr voll war um Jesus herum, entschieden sie sich für einen besonderen Weg.

Sie trugen ihren Freund auf das Dach des Hauses in dem Jesus zu den Leuten sprach, deckten es an einer Stelle ab und ließen die Trage, auf dem ihr Freund lag, so herunter, dass er direkt vor Jesus lag.

Jesus sah sich den Mann in Ruhe an und dann sagte er: „Deine Sünden sind dir vergeben.“

Damit hatten die Freunde nicht gerechnet. Sie wollten doch, dass ihr Freund wieder laufen konnte. Was sollte das: deine Sünden sind dir vergeben? Sie waren enttäuscht.

Jesus spürte, dass die Menschen um ihn herum unruhig wurden. Sie begannen zu tuscheln. „Deine Sünden sind dir vergeben.“

Und dann fragt er die Menschen: was meint ihr, was ist leichter, einem Menschen seine Sünden zu vergeben oder zu sagen: steh auf, nimm dein Bett und geh?

Der Zusammenhang, den Jesus hier beschreibt, zwischen dem seelischen Zustand eines Menschen und dessen Gesundheit, ist uns fremd.

In unserer aufgeklärten Art des Denkens sind das zwei ganz verschiedene Dinge. Krankheit ist zu diagnostizieren und dann zu behandeln, nach allen Regeln der Kunst.

Jesus sagt, alles, was euch in eurer Seele belastet, alles, wobei ihr euch in eurem Inneren verbiegen müsst, das wirkt auch auf euren Körper, dass kann euch krank machen. Ihr könnt die Symptome behandeln, aber die Wurzeln von Erkrankungen liegen tiefer, das hat was damit zu tun, wie ihr lebt, ob ihr mit euch im Reinen seid und mit Gott.

Damit kommt eine wichtige Dimension in unseren Umgang mit Krankheit, die uns nicht wirklich nahe liegt, die wir aber nicht einfach an die Seite schieben sollten.

 

Dass Jesus den gelähmten Freund aus unserer Erzählung auch geheilt hat, dass er wieder aufstehen konnte und seiner Wege ging, war ein Zugeständnis an die enttäuschten Freunde. Das größere Geschenk, das diesem Mann widerfahren war, war, dass seine Seele frei wurde. Das hat ihn wieder aufgerichtet und beweglich gemacht.

Darum geht es Jesus also zuerst, dass die Seele gesund ist, dass wir uns unserer Art zu leben bewusst werden, dass wir wieder ein Gespür dafür bekommen, wo wir selbst dem Leben im Weg stehen. Amen

Beten wir

Wir beten für Menschen, die ihrer Seele keine Aufmerksamkeit schenken und nicht merken, wie sehr sie sich selbst damit schaden.

Wir beten für Menschen, die die Signale ihres Körpers nicht ernst nehmen

Und damit ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.

Wir beten für Menschen, die uneins mit sich selber sind und sich selbst und Gott ihre Fehler/ihre Sünden nicht eingestehen können…

 

Und nun segne euch Gott

Gott Segne euch,

damit ihr ehrlich mit euch und anderen sein könnt,

damit ihr zu eurer Schuld/euren Sünden stehen könnt

damit ihr frei werdet an Leib und Seele.

Amen