Gedanken zum 15. Sonntag nach dem Trinitatisfest

Die Sommerpause ist vorbei.
Wir starten wieder mit unseren Gottesdiensten und Andachten!
Herzlich willkommen zurück!

Als Bibelwort über der neuen Woche hören wir aus dem 1. Petrusbrief im Neuen Testament:
„Alle eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“
Das muss man sich erstmal trauen!
Ist das mutig oder leichtsinnig?
Wie soll das gehen? Ist das realistische?

Friede sei mit euch von Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen

 

Wir beten mit Worten aus Psalm 127:

Wenn nicht der HERR das Haus baut, nützt es nichts, dass sich die Bauleute anstrengen. Wenn nicht der HERR die Stadt bewacht, nützt es nichts, dass der Wächter wachsam bleibt. Es nützt euch nichts, dass ihr früh am Morgen aufsteht und euch erst spät wieder hinsetzt und esst euer Brot mit Sorge; Seinen Freunden aber schenkt es der Herr im Schlaf. Amen

 

Im Sommer, da kann man das mal machen, sagt einer, da kommt es nicht so darauf an. Da kann man mal den Fernseher auslassen und in den Tag hineinleben und sich nicht interessieren für all diese verrückten Nachrichten. Da kann man die eigenen Sorgen mal nach hinten stellen und das Leben genießen. Aber im normalen Leben, wie soll das gehen? Ich bin doch verantwortlich für mein Leben. Ich kann doch nicht warten, bis ein anderer, wer auch immer, meine Sachen regelt. Ich finde, das geht gar nicht, sagt ein anderer. Man kann doch nicht so tun, als gäbe es die Sorgen nicht, die die Menschen umtreiben. Die kann man auch nicht einfach abstellen. Da müssen wir schon selber durch. Alles andere ist frommes Gerede. Aber bequem wäre es doch. Stell dir mal vor, was für ein schönes Leben. Hier Jesus, hier hast du meinen Salat. Du machst das schon. Funktioniert ja aber leider nicht.
„Alle eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ ???

Im Matthäusevangelium, in der Bergpredigt, hat Jesus das auch schon so gesagt:
„Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

Für mich geht es in diesen Worten nicht darum, die Verantwortung für das eigene Leben abzugeben, es geht nicht darum es sich leicht zu machen oder etwas zu vergessen.
Es geht darum das Leben aus einer anderen Perspektive anzusehen.
Die Sorgen und Nöte der Menschen lassen sich nicht einfach an die Seite stellen, die sind auch nicht einfach weg, auch wenn man das noch so gerne möchte. Sie begleiten einen nach innen und manchmal fressen sie einen regelrecht auf oder machen einen zornig oder lassen einen verzweifeln.
Mir geht es allerdings so, dass ich meine Sorgen und Nöte anders ertragen kann, wenn ich sie mit anderen teile, wenn ich das Gefühl bekomme, dass einer versteht, wie es mir geht. Das merke ich schon, wenn ich Freunde ins Vertrauen ziehe und mein Herz ausschütten kann, anstatt alles in mich hinein zu fressen.
Im Gespräch sehe ich mir meine Sorgen aus unterschiedlichen Blickrichtungen an, stelle fest, wo ich übertreibe, was wirklich auf mir lastet und manchmal finde ich einen neuen Zugang mit dem umzugehen, was mir Sorgen macht.
So ähnlich verstehe ich Gottes Angebot in diesem Bibeltext. Er nimmt sich unsere Sorgen zu Herzen, er wendet sich uns zu. Er macht sich mit uns auf den Weg. Wenn wir unsere Sorgen vor ihm ausbreiten und sie in seinem Licht betrachten, kommen wir auf Gedanken, die einen Ausweg andeuten können, uns neue Schritte zeigen, auf die wir noch nicht gekommen sind. Mit ihm in Kontakt müssen wir nicht zerbrechen, nicht verzweifeln und nicht zugrunde gehen.
Das hat viel mit Vertrauen zu tun und das fällt uns oft schwer.

Meinst du wirklich, das hilft?
Mir hilft das. Wie sollte ich sonst zurechtkommen mit dem unendlichen Leid der Menschen in Moria oder mit der sträflichen Leichtsinnigkeit in Beirut oder mit der Willkür des Machthabens in Weißrussland oder mit der Gleichgültigkeit so vieler Menschen…?
Mir hilft es zu wissen, dass ich mich mit meinen Sorgen an Gott wenden kann, sie mit ihm teile, auch wenn sie dann nicht weg sind.
Mir hilft es zu wissen, dass er es gut mit mir meint, auch wenn ich manchmal nicht verstehen kann, was ich erlebe. Amen.

 

Beten wir
Beten wir für die Menschen, die mit ihren Sorgen alleine bleiben, weil sie niemanden haben, der ihnen zuhört.
Beten wir für die Menschen, die mit ihrem Leben an Grenzen geraten
– in Moria und vielen anderen Lagern,
in den Gefängnissen in Weißrussland und anderswo,
in Beirut und vielen anderen Orten wo Menschen der Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit ausgesetzt sind.
Beten wir für die Menschen, die darunter leiden, dass sie nichts tun können um das Leid anderer zu mindern…

Und nun segne euch Gott
Er segne euch mit Zuversicht und Vertrauen.
Er segne euch mit Kraft und Durchhaltevermögen.
Er segne euch mit Leichtigkeit und Phantasie.
Amen.